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Attraktiver und wirksamer Lebenslauf: Fragen und Antworten – Teil 1

Copyright: Olivier Le Moal, istockphoto

In meinem Xing ProJobs Webinar „So werden Deine Bewerbungsunterlagen attraktiv und wirksam“ habe ich erläutert, dass es den idealen Lebenslauf nicht gibt, sehr wohl aber seine Attraktivität erhöht werden kann. Da es rund um den attraktiven Lebenslauf viel zu berichten gibt, konnten nicht alle Fragen der Teilnehmer innerhalb der Seminarzeit geklärt werden. Daher möchte ich in diesem Beitrag auf einige Fragen eingehen. Weitere Fragen beantworte ich in meinem nächsten Artikel.

>> Wie viele Seiten sollte ein Lebenslauf haben?

Unsere Lebensläufe – wir nennen sie lieber Profile – haben drei bis maximal vier Seiten. Und dabei gehen wir davon aus, dass kein einziger Empfänger alle vier Seiten von Anfang bis Ende liest. Denn der Empfänger verwendet nur wenig Zeit für die Erst-Erfassung des vor ihm liegenden Dokuments. In der Regel wird er zwischen dreißig Sekunden und zwei Minuten investieren, um zu erfassen, was Sie ihm mitteilen wollen. Umfassende „Lebenslauf-Zeugnis-Zertifikats-Mappen“ haben wenig Chancen, auf „Lese-Lust“ zu treffen. Wie viel Zeit investieren Sie, wenn Sie einen Prospekt auf Ihren Schreibtisch oder in Ihre Mail-Eingangsbox bekommen? Und wann gehen Sie über die erste flüchtige Wahrnehmung hinaus, fangen an zu lesen und auch noch umzublättern?

Vermutlich, wenn einige Keywords auf der ersten Seite Ihr Interesse erregt haben und Sie den Eindruck haben, das Angebot könnte zu Ihrem Bedarf passen. Also wenn sie den Eindruck haben, das Dargestellte könnte Ihnen nutzen! Dann schauen Sie natürlich genauer hin. Aber nur dann. Ja, ich rede hier mit Absicht von Prospekt, Keywords und Angebot. Denn Ihr Lebenslauf ist Ihr Vermarktungsprospekt für Ihr ganz eigenes Leistungs- und Nutzenpaket. Und deshalb sollten Sie es schaffen, auf wenigen Seiten das Wesentliche Ihrer Leistungen und Nutzenversprechen darzustellen. Dafür reichen vier Seiten aus, auch wenn Sie schon 25 oder mehr Jahre Berufserfahrung zu bieten haben. Und bitte versuchen Sie nicht, durch kleinere Schrift Platz zu gewinnen, damit aus fünf dann doch vier Seiten werden. Wenn Lesen mit Anstrengung verbunden ist, haben Sie schon verloren! Und zwar Aufmerksamkeit und die Chance auf ein Gespräch.

>> Wenn man über 25 Jahre in einem Unternehmen war, sollte man jede einzelne Station im Lebenslauf darstellen?

Dafür gibt es keine allgemeingültige Antwort. Wichtig wäre zu zeigen, dass Sie in diesen 25 Jahren verschiedene Aufgaben erfüllt, unterschiedliche Situationen erlebt und im besten Fall ein- oder mehrmals befördert wurden. Sonst kann der Empfänger den Eindruck gewinnen, dass Sie sich 25 Jahre in ein und derselben Aufgabe „gemütlich“ und ohne weitere Ambitionen eingerichtet haben. So gesehen beantworte ich die Frage mit Ja. Zeigen Sie, dass es in der Zeit Veränderungen für Sie und eventuell im Unternehmen gab. Zum Beispiel führt ein Eigentümerwechsel vom Gründer zu einem Private Equity Unternehmen oder Konzern oft zu strategischen und kulturellen Veränderungen, die sich auch auf Ihre Aufgaben und Zielerreichung auswirken. Das können Sie durchaus als „Zäsur“ und damit „Station“ im Lebenslauf aufnehmen.

Umgekehrt heißt meine Antwort Nein, wenn Sie in den 25 Jahren viele verschiedene Funktionen innehatten. Fassen Sie hier lieber Station mit ähnlichen Aufgaben zusammen. Manchmal führen interne Umstrukturierungen dazu, dass eine Position nur anderes genannt wird. Das ist für Ihren Leser nicht relevant, sondern eine „interne Umetikettierung“. An der Stelle noch ein paar Worte zu Ihren Funktionsbezeichnungen. Bitte verwenden Sie Bezeichnungen, die für jeden verständlich sind, der nicht zu Ihrer Firma gehört. In meinem Seminar habe ich das Bespiel genannt: „Director Bid Management Business Unit Bogies“ werden die wenigsten verstehen. Die Übersetzung in „Direktor Angebotsmanagement“ ist wesentlich verständlicher und erleichtert die Einordnung.

>> Wie weit sollte ich im Lebenslauf zurückgehen, wenn ich schon älter bin?

Die Übersicht Ihrer beruflichen Stationen sollte weitestgehend vollständig sein. Dazu gehören auch die berufliche Ausbildung und ein Studium. Sollte der Platz mal eng werden, kann das Studium weggelassen werden, wenn Sie bei Ihrem Namen Ihren Abschluss deutlich machen. In meinem eigenen Fall wäre es also Diplomkauffrau Nane Nebel, da ich Betriebswirtschaft studiert habe. Allerdings gilt auch hier, dass Funktionen oder Stationen sinnvoll zusammengefasst werden können. Denn es geht nicht um Detailtreue, sondern um Verständlichkeit und Übersichtlichkeit.

Schließlich empfehle ich die am weitesten zurückliegenden Stationen sehr kurz darzustellen. Dort reichen Name der Firma, Funktion und Zeitraum. Für Ihren Empfänger sind die jüngeren Stationen wesentlich wichtiger und interessanter, wenn es darum geht, wo Sie in Zukunft erfolgreich wirken können. Und bitte verzichten Sie auf die Auflistung der Schulen, die Sie besucht haben, wenn Sie schon älter sind. Wer eine Ausbildung oder ein Studium erfolgreich abgeschlossen hat, muss vorher einen Schulabschluss geschafft haben. Da interessiert weder die Grund- noch die weiterführende Schule.

>> Wie baut man den Lebenslauf auf, wenn man noch nicht viele oder sogar erst einen Arbeitgeber hatte?

Dann wird der Lebenslauf halt kürzer als bei denjenigen, die schon viele Jahre Berufserfahrung und mehrere Arbeitgeber hatten. In diesem Fall können Sie Ihre Stationen etwas ausführlicher darstellen, also Ihre Aufgaben und erzielten Erfolge. Zudem können Sie etwas mehr über Ihre Ausbildung oder Ihr Studium schreiben, z. B. Schwerpunkte oder das Thema einer Arbeit. Wenn diese Themen keinen wirklichen Mehrwert für den Leser bieten: Dann bitte statt vier nur drei Seiten verschicken und nicht die Attraktivität Ihres CVs durch relative Nebensächlichkeiten verwässern. Der Aufbau des Lebenslaufs ändert sich also damit nicht!

Im Seminar habe ich die von uns genutzte Struktur anhand eines konkreten Beispiels erklärt. Auch wenn in diesem Beispiel der Kandidat mehrere Stationen und Arbeitgeber hatte und schon etwas älter ist, der Aufbau passt ebenso für kürzere Berufslaufbahnen. Wichtig ist: Nichts ist Selbstzweck und muss so sein, weil es in einem Muster oder einem Ratgeber war. Der ein oder andere Themenblock des dort gezeigten Beispiels passt vielleicht bei Ihnen nicht und sollte dann entfallen. Die Kernthemen und die Nutzenorientierung dagegen sind unabhängig von Alter und Hierarchieebene immer gültig.