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Attraktiver und wirksamer Lebenslauf: Fragen und Antworten – Teil 2

Copyright: Olivier Le Moal, istockphoto

Dies ist der zweite Teil zu Fragstellungen aus meinem Xing ProJobs Webinar „So werden Deine Bewerbungsunterlagen attraktiv und wirksam“. Innerhalb des Seminars konnten nicht alle Fragen der Teilnehmer geklärt werden. Daher gibt es hier noch ein paar Antworten auf offene Fragen.

>> Wie gestaltet man am besten einen Lebenslauf, wenn man etwas Neues machen will, also nicht einfach beim Bisherigen bleiben will?

Am häufigsten begegnen mir die Anliegen „Branchenwechsel“ und „Funktionswechsel“. Um diese Wünsche zu realisieren, sollte der Fokus des Lebenslaufs auf den Kompetenzen, Erfahrungen und Erfolgen liegen, die auf den angestrebten Bereich transferierbar sind. Es gilt dann zu zeigen, welche Probleme Sie gelöst und welche Ziele und Erfolge Sie erreicht haben, die losgelöst vom Branchen-Knowhow sind. Beispiele sind: die Verkürzung der Time-to-market, die Reduzierung der Ausschussquote, die Erhöhung der Kundenzufriedenheit, die Verbesserung der Einkaufskonditionen, die Vermeidung einer Fehlinvestition. Das sind allesamt Erfolge, die für jedes Unternehmen wichtig sind – vollkommen losgelöst von der Branche.

Ein „Funktionswechsel“ kann der Wunsch sein, aus einer Beraterfunktion in eine Linienfunktion oder umgekehrt zu wechseln. Oder aus dem „gelernten“ Fachgebiet in ein anderes Fachgebiet zu kommen. In diesen Fällen gilt ebenfalls: Stellen Sie die Themen in den Vordergrund, die für die angestrebte Aufgabe von Nutzen sind. Wenn Sie Berater sind, stellen Sie dar, dass Sie Projekte akquirieren, ein Budget managen und im Projektteam unterschiedliche Mitglieder führen. Also Fakten, die auch bei einer Linien-Führungskraft stehen würden, um Vertrauen in Ihre Managementfähigkeit zu schaffen. Wenn Sie vom Marketing ins Produktmanagement wollen, dann überlegen Sie, welche Ihrer Marketingaufgaben eine große Nähe zum Produktmanagement haben. Und vielleicht haben Sie auch schon in bereichsübergreifenden Projekten gearbeitet und hatten so die Chance, Wissen rund ums Produktmanagement zu sammeln. Versetzen Sie sich in die Rolle des Entscheiders im Unternehmen. Was würde er von Ihnen wohl erwarten? Was bringen Sie mit? Und vor allem, welchen Nutzen bringen Sie mit, den ein „klassischer“ Produktmanager nicht mitbringt?

>> Müssen sich Unterlagen unterscheiden, je nachdem, ob sie direkt an Entscheider oder an die Personalabteilung gehen?

Eine einzige Unterlage für alle Adressaten ist meine Devise. Am Ende des Prozesses wird der Fachverantwortliche über Ihre Einstellung entscheiden. Denn nur er kann genau wissen, welche Fach- und gegebenenfalls Führungskompetenzen Sie mitbringen sollten, um gut für das Unternehmen zu performen. Er ist der primäre Adressat Ihres Profils. Die Personalverantwortlichen sollten im Lesen und Erfassen von Lebensläufen so geübt sein, dass sie in den CVs die wesentlichen zu erfüllenden Kriterien finden und die Vorauswahl treffen können. Ich differenziere die Adressatengruppe lediglich beim Anschreiben nach „Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle“ versus „Initiativbewerbung“. Bei Ihrer Bewerbung auf eine offene Stelle ist in der Regel die Personalabteilung der Empfänger. Hier sollten Sie im Anschreiben – Brief oder Mail – natürlich im Betreff einen Bezug zur Ausschreibung herstellen. Bei einer Initiativbewerbung empfehle ich – und führe es mit meinen Klienten konsequent durch – eine direkte Ansprache des Entscheiders, also primär Geschäftsführer, Vorstand, Bereichsleiter, je nach angestrebter Führungsebene. In diesem Fall gehören in den Betreff die von Ihnen angestrebten Funktionen – z. B. Werkleiter, Betriebsleiter, Leiter Technik. Dann kann der Entscheider schnell erfassen, worum es geht und ob er grundsätzlich Bedarf hat.

>> Gehören Gehaltsvorstellungen in den Lebenslauf oder das Anschreiben?

In offen ausgeschriebenen Stellen wird oft gebeten, dass Sie bei der Bewerbung Ihre Gehaltsvorstellung angeben. Damit soll demjenigen, der die Vorauswahl aus den vielen eingegangenen Bewerbungen trifft, die Arbeit vereinfacht werden: „zu teuer“ wird aussortiert, „zu billig“ vermutlich auch. Doch das ist zu kurz gedacht. Wenn Sie sich auf eine Stelle bewerben, die einen Karriereschritt für Sie bedeutet, wissen Sie meist nur ungefähr, was vermutlich für diese Position bezahlt wird. Hinzu kommt, dass es bei den Gehältern für die gleiche Position große Unterschiede je nach Branche und manchmal auch je nach Unternehmen gibt. Sie können zwar im Internet nach Durchschnittsgehältern googlen, werden damit jedoch keine für die Branche und das konkrete Unternehmen passende Gehaltsgröße finden. Viele Bewerber „retten“ sich bei der Gehaltsangabe mit der Nennung des aktuellen Gehaltes. Und gehen in der Regel davon aus, dass dem Leser der Gehaltsangabe wohl klar sei, dass man bei einem Wechsel mehr Geld erwarte. Dem ist aber nicht immer so. Und was, wenn Sie in Ihrem aktuellen Job objektiv unterbezahlt oder überbezahlt sind? Was, wenn ein Wechsel mit anderen Kosten verbunden wäre, zum Beispiel einem zweiten Wohnsitz?

Ich bin der festen Überzeugung, dass eine konkrete Gehaltsangabe nur möglich ist, wenn Sie die Aufgabe, die Verantwortung und eventuelle besondere Herausforderungen kennen. Gehälter stehen für Anerkennung Ihrer Leistungen und Ihres Nutzens. Gehälter sind aber auch Risikoprämien, manchmal sogar Schmerzensgeld. Deren Höhe aufgrund von schön formulierten Stellenausschreibungen zu beziffern, ist kaum seriös machbar. Daher empfehle ich, telefonisch nachzufragen, welches Gehalt für diese Stelle vorgesehen ist, gerne auch eine Bandbreite, damit sich das Gegenüber nicht festlegen muss. Die Antwort, welches Gehalt für die Stelle eingeplant ist, macht Ihnen die Entscheidung leichter, ob Sie sich dort überhaupt bewerben wollen. Ich fände es hilfreich, wenn in Stellenausschreibungen direkt das budgetierte Gehalt angegeben würde. Das würde die Flut an Bewerbungen auf offene Stellen reduzieren.

Sollten Sie „gezwungen“ werden, eine Gehaltsangabe zu machen, würde ich diese zumindest mit der Erläuterung versehen: „Ohne die genaue Aufgabe und Verantwortung zu kennen, stelle ich mir ein Gehalt von mindestens XY Euro vor.“ Übrigens umgehen Sie die unangenehme Gehaltsangabe, wenn Sie sich initiativ bewerben. Denn bei einer Initiativbewerbung wird erst über das Gehalt gesprochen, wenn Sie bereits im persönlichen Gespräch zu einer konkreten Aufgabe sind.