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Bewerbungsfoto: Sympathisch oder „tough“ – was bringt mehr?

Ein gut gemachtes Foto in Ihren CV zu integrieren bringt Ihnen vor allem eines: mehr Chancen! 

In Deutschland – anders als etwa in angloamerikanischen Ländern – laufen Sie Gefahr, dass das Weglassen Ihres Fotos den Empfänger unwillkürlich zum Nachdenken bringt, warum Sie sich so verhalten, warum Sie „Ihr Gesicht nicht zeigen wollen“. Ohne Bild binden Sie also Aufmerksamkeit beim CV-Empfänger und lenken zugleich ab von den vielen positiven Dingen, die Sie zu zeigen haben. Und da CV-Leser sich positive Gedanken über Sie machen sollten und sich nicht über Sie wundern, sollten Sie ein Foto von sich integrieren. Und dies als zusätzliche Chance begreifen!

>> Beim Foto sind Emotionen „im Spiel“

Denn bei aller Rationalität im Bewerbungs- und Auswahlprozess gehört die Emotionalität dazu. Und daher möchte der Leser gern wissen, wie der Mensch aussieht, der ihm schreibt. Wie wirkt er, wie kommt er rüber? Wenigstens auf einem Bild. Dieses Bedürfnis ist bei fast allen Menschen vorhanden, es sollte befriedigt werden. Kein Wunder, dass die sozialen Netzwerke, auch die beruflichen wie Xing und LinkedIn, die Kontaktaufnahme oder -pflege mit einem Bild unterstützen. Und auch ich schaue bei jeder Anfrage, die ohne Foto kommt, schnell auf Xing nach, wie mein „Gegenüber“ aussieht.

Kurz ist hier auf das AGG einzugehen, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz: Aufgrund dessen darf ein Unternehmen beispielsweise in der Stellenanzeige kein Bewerbungsfoto mehr anfordern. So wie auch niemand verpflichtet ist, Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und dergleichen anzugeben. Gleichwohl wird das Unternehmen in Deutschland auch unaufgefordert fast immer ein Foto des Bewerbers erhalten. Zwar darf der Arbeitgeber auch die unverlangt vorgelegten Bewerbungsfotos gemäß AGG nicht als Entscheidungskriterium mit heranziehen, abgesehen von ganz seltenen Ausnahmen, aber dem jeweiligen Eindruck, den sie auf die Betrachter machen, kann sich wohl kaum jemand entziehen.

>> Kommen Sie auf dem Foto sympathisch rüber!

Also nutzen Sie das Bewerbungsfoto für den ersten Eindruck, den Sie hinterlassen. Es muss gut fotografiert sein. Gehen Sie zu einem Profi, und lassen Sie sich nicht von Partner, Freund oder Bekannten ablichten. Das ist an falscher Stelle gespartes Geld. Achten Sie darauf, dass Sie auf dem Bild freundlich schauen. Jeder von uns möchte freundlich und sympathisch angeschaut werden. Wer meint, ein Bewerbungsfoto müsse Härte, Entschlossenheit oder sogar Kälte rüberbringen, der irrt! Mit dem Foto sollen Sie Sympathie beim Betrachter wecken. Wenn Sie beim ersten Gespräch durch die Tür kommen, werden Sie (hoffentlich) auch ein Lächeln im Gesicht haben. Seriös und kompetent sind Sie ohnehin, das belegen vor allem Ihre CV-Inhalte. Und – Hand aufs Herz: Kaum jemand will sich mit unsympathisch wirkenden Menschen treffen; wer so wirkt, erschwert nur eine Einladung. Übrigens: Die meisten Fotografen tun sich leichter, Sie sympathisch wirkend abzulichten, wenn Sie sagen, Sie bräuchten es auch als Pressefoto.

Zum Praktischen: Sympathisch kann man nur wirken, wenn man Sie auch gut erkennt und Sie nicht in Briefmarkengröße Ihren CV zieren. Das heißt, ein „Brustbild“ oder gar eines, das bis zur Gürtellinie oder weiter reicht, lässt Ihr Gesicht immer mehr schrumpfen. Das erinnert dann an „Schildkröte mit kleinem Kopf“. Empfehlenswert ist eine Porträtaufnahme bis etwas unterhalb des Krawattenknotens bei Herren, bei Damen analog. Und natürlich in Farbe. Zudem sollte der Hintergrund einfarbig und hell sein, alles andere lenkt ab und macht das Bild unruhig bis düster. Ihr sympathischer Ausdruck soll im Fokus stehen! Dafür braucht es keinen Schnickschnack drumherum.

>> Die Krawatte lohnt sich!

Einige meiner Klienten wollen auf ihrem Foto keine Krawatte tragen. Das sei überholt, zu konservativ und bieder. Und überhaupt: So würden sie im Büro ja auch nicht rumlaufen. Alles richtig! Aber hier geht es nicht um daily business! Es geht um ein erstes Kennenlernen. Ja, auch beim CV mit Foto. Denn der CV mit dem Foto ist der erste Eindruck, den Sie beim Gegenüber hinterlassen. Die Eintrittskarte zum Gespräch – oder eben auch nicht. Das anschließende Bewerbungsgespräch ist ein besonderes Treffen, durchaus vergleichbar einem ersten Date. Denn in beiden Fällen wollen Sie Ihr Gegenüber überzeugen, dass Sie die einzig bzw. der einzig Richtige sind. Und dafür machen Sie sich hoffentlich auch Gedanken über Ihr Aussehen – sowie ein Lächeln im Gesicht beim ersten Blickkontakt.

Warum also dafür eine Krawatte? Weil die Krawatte ein Zeichen des Respekts und der Achtung sein kann: Ich kleide mich besonders gut, um meinem Gegenüber zu zeigen, dass sie oder er mir wichtig ist. „Wie will ich vermitteln, dass ich qualitätsvoll arbeite, wenn meine Erscheinung ausdrückt, dass mich Qualität nicht interessiert?“ Gut und sorgfältig gekleidet zu sein drücke weiterhin Höflichkeit und Respekt aus, sagt Katharina Starlay. Sie berät Unternehmen dabei, Stil-Leitfäden zu entwickeln, und ist außerdem Mitglied im Deutschen Knigge-Rat.

Und die Art Ihrer Kleidung kann am Ende Auswirkungen auf Ihr Gehalt haben. Eine aktuelle Studie der Management- und Technologieberatung Bearing Point zeigt: Formale Businesskleidung (Anzug oder Kostüm mit Krawatte oder Halstuch) ist nicht einfach Geschmackssache, sondern kann durchaus einen geldwerten Vorteil bringen. So sind 82 Prozent der mehr als 1000 Befragten der Auffassung, dass Consultants in formaler Bürokleidung auch höhere Tagessätze verlangen könnten. Die Mehrheit der Studienteilnehmer erwartet um mindestens 15 Prozent höhere Tagessätze; 15 Prozent glauben sogar an einen Aufschlag von mehr als 35 Prozent für jene Beraterinnen und Berater, die in Kostüm oder Anzug beim Kunden auftauchen. (Quelle: Alexander Schmid: „Bürokleidung der Zukunft. Was trage ich morgen im Büro?“, Bearing Point, April 2022). Auch wenn die Studie Tagessätze und nicht Gehälter abgefragt hat: Eine gewisse Analogie halte ich für naheliegend, da es um die Verbindung von Kleidung und Bezahlung geht.

Dass Sie, sobald Sie im Job sind, sich den Kleidungsgepflogenheiten der Firma anpassen, ist logisch und zu empfehlen. Wenn alle mit T-Shirt oder Hemd ohne Krawatte gekleidet sind, sollten Sie sich nicht zum „optischen Außenseiter“ machen.