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Corona-Opfer: Wie sicher ist IHRE Führungsposition in der langen Krise?

Deutlich mehr Führungskräfte verlieren derzeit ihren Job durch Kündigung oder ihr Geschäftsführervertrag wird einfach nicht verlängert. Als Grund werden oft die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise genannt. Oder vorgeschoben? Unsere aktuellen Klienten nennen uns vielfach eine andere, alarmierende Ursache: Corona hält häufig schlicht für gravierende Versäumnisse der letzten Jahre her. In der Krise können die Gesellschafter und CEOs nicht länger wegschauen. Doch was bedeutet das für Sie, wenn Sie zwar noch im Job sind, Ihr Unternehmen jedoch in den letzten Jahren wichtige Weichenstellungen versäumt hat?

>> Corona als Jobkiller – nur selten

Wir haben einen einzigen in die Beratung zurückkehrenden Klienten, der seine Führungsposition tatsächlich wegen Corona verloren hat. Ein Manager aus der Touristikbranche, der sich um eine potenzielle Insolvenz seines Nocharbeitgebers und damit Zahlungsausfälle seiner noch ausstehenden Gehaltszahlungen sorgt. Alle anderen haben auf unsere Frage nach den Gründen der Kündigung sinngemäß geantwortet: Das war bei genauem Hinsehen schon vor Monaten – also vor Corona – absehbar. Die tatsächlichen Gründe waren und sind: nicht mehr wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle, versäumte Innovationen und Investitionen, Produkt- statt Kundenfokus und verkrustete Strukturen. Fazit: Corona ist nicht die Ursache, sondern der Katalysator!

>> Corona als Katalysator – im Guten wie im Schlechten

Corona hat also bei vielen Firmen den Finger in Wunden gelegt, die anscheinend mit einem „die Zeit heilt alle Wunden“ nicht ernst und damit auch nicht fachmännisch behandelt wurden. Und was machen diese Unternehmen nun? Das, was Sanierer schon seit Jahren machen: Cost-Cutting! Sollten die Kosten tatsächlich viel zu hoch sein und daher reichlich Einsparpotenzial bieten, dann sind diese Potenziale in den letzten Jahren schlicht ignoriert worden, offenbar fehlten Druck oder Ehrgeiz. Oder die Kosten sind schon weitestgehend optimiert, so dass aus der Orange auch bei festen Pressen nicht viel Saft – sprich etwas Gewinn für notwendige Investitionen oder schlichtes Überleben – gewonnen werden kann.

Corona zeigt uns etwas ganz anderes: Mit „weiter-wie-bisher“ und reinen Kostenreduzierungsprogrammen wird kein Unternehmen gestärkt aus der Krise rauskommen. Die unsichere, vieles bisher Gültige in Frage stellende Wirtschaftslage verlangt kraftvolle, manchmal gar disruptive Veränderungen. Ein Zurück zur „früheren Normalität“ wird es nicht geben. Allein schon deshalb, weil es Unternehmen derselben Branche gibt, die als Gewinner aus der Krise hervorgehen. Unternehmen, die gut vorbereitet waren und jetzt zupackend, oft sogar risikofreudig agieren. Unternehmen, die umdenken, umsetzen und neue Wege gehen.

>> Corona als Förderer – bei Digitalisierung und kultureller Transformation

Technologie-Unternehmen, Logistiker und Online-Händler sind nur drei Beispiele für die Gewinner der Krise. Sie profitieren jedoch nur zum Teil von der stark zunehmenden Nachfrage. In erster Linie profitieren sie von ihrem hohen digitalen Reifegrad. Doch auch in anderen Branchen, die keinen solchen Nachfrageboom erleben, hängt der Erfolg in der jetzigen Situation ganz entscheidend vom Grad der Digitalisierung ab.

Seit Jahren bekomme ich von meinen CDO-Klienten die Rückmeldung, dass sie in Bewerbungsgesprächen viel zu oft erleben, dass die Führungsspitze zwar über Digitalisierung redet, doch keine Ahnung hat, was sie wirklich will, noch wie und wann sie diese umsetzen soll. Oftmals reduzierte sich das Anliegen „Wir wollen die Firma digitalisieren“ auf „Wir wollen ein SAP-System einführen“. Und dann sollen noch nach möglichst kurzer Zeit die Investitionskosten amortisiert sein. Ich bin heute froh, dass meine Klienten diese „Führungsaufgaben“ nicht angenommen haben. Vermutlich wären sie jetzt zu einem hohen Prozentsatz „Corona-Opfer“.

Die Corona-Krise zeigt in engem Zusammenhang mit dem dringenden Digitalisierungsbedarf eine weitere existenzielle Notwendigkeit: die kulturelle Transformation. Wenn wir den Medien glauben, sind die meisten Arbeitnehmer seit Monaten im Homeoffice und erstaunlich produktiv. Doch dabei wird meiner Meinung nach ein wichtiger Aspekt übersehen: der Führungsstil, der auf Präsenz, Macht und Kontrolle basiert. Ein Führungsstil, der mit Homeoffice nur schwer kompatibel ist und zwangsläufig zu Performance-Einbußen führen wird. Die Veränderungen durch die Corona-Krise verlangen also zusätzlich zu den kraftvollen Veränderungen im Geschäft(smodell) auch eine kulturelle Transformation der Führungskräfte – damit auch dort Micromanagement durch selbstorganisiertes Arbeiten abgelöst wird. Umdenken, neue Verhaltensweisen und Vertrauen sind die wesentlichen Führungskompetenzen, um als Gewinner hervorzugehen.

>> Corona als Bestandsaufnahme – ist Ihr Job in Zukunft sicher?

Wenn Sie eine Führungsposition in einer der Gewinnerbranchen, die jetzt im Wachstumsmodus sind, innehaben: herzlichen Glückwunsch! Sorgen Sie dafür, dass Sie Ihrem Unternehmen Nutzen bringen und zu dessen Erfolgen beitragen. Sollten Sie sich dennoch dort unwohl fühlen oder keine weitere Entwicklung sehen, haben Sie gute Chancen, ruckzuck einen neuen Job zu finden. Vorausgesetzt Sie können Ihre Erfolge und Kompetenzen gut vermarkten.

Wenn Sie in einem Unternehmen der absoluten Verliererbranchen arbeiten, wie Tourismus oder Eventmanagement, sollte Ihnen klar sein, dass Ihre Führungsposition einem Schleudersitz gleicht. Die staatlichen Liquiditätshilfen, die Kurzarbeit und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sind trügerisch. Pleiten und Entlassungen kommen nur zeitverzögert, dafür heftig. Warten Sie nicht ab, bis es soweit kommt und auch Sie trifft. Fangen Sie jetzt an, sich aktiv nach einer neuen Führungsposition umzuschauen! Beispielsweise in den Gewinnerbranchen. Diese suchen Führungskräfte und sind auch bereit Quereinsteiger zu nehmen. Vor allem dann, wenn Sie einem Unternehmen aus einer anderen Branche glaubhaft zeigen können, dass Sie Ihre Methoden und Kompetenzen auf die neue Branche transferieren können und somit auch dort Nutzen generieren können.

Wenn Sie bei einem Unternehmen „zwischen den Gewinnern und Verlierern“, also einem Low Performer arbeiten, sollten Sie sich fragen: „Wie zukunftssicher ist das Geschäftsmodell meines Arbeitgebers?“, „Wie veränderungsbereit ist mein Unternehmen?“ und „Wie sicher schätze ich meine Führungsposition ein – im besten und im schlechtesten Fall?“. Seien Sie ehrlich mit sich und der Einschätzung Ihres Arbeitgebers! Je größer Ihre Zweifel am Ende der Analyse sind, desto mehr gilt auch für Sie, was für die Manager der Verliererbranchen gilt: Gehen Sie aktiv an den Markt! Jetzt!