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Das Karriereende aktiv gestalten? Vier Varianten, wie das gehen kann

Der Übergang vom Job in den Ruhestand fällt vielen schwer. Studien zeigen: Wer aus einer Führungsposition ausscheidet, leidet darunter oft besonders. Hier finden Sie vier Varianten, wie der Ruhestand sich aktiv gestalten lässt.

Die meisten Manager denken nicht an das Wann und Wie des Aufhörens. Wer über viele Jahre gestaltet hat und Erfolge erzielen konnte, hat auch mit Ende fünfzig und Anfang sechzig noch Lust aufs Weitermachen. Dennoch ist es sinnvoll und auch reizvoll über das „Auslaufen“ der Karriere nachzudenken und dieses vorzubereiten. Für die meisten Manager ist der verantwortungsvolle Job der Sinn des Lebens, also das, wofür sie morgens aufstehen. Und das Aufhören wird mit einer großen Leere assoziiert. Besser also sich Gedanken machen, wie dem begegnet werden könnte. Manager, die schon mal für einige Monate auf Jobsuche waren, kennen bereits dieses Gefühl von „sinnlos in den Tag hineinleben“, spätestens wenn der Garten umgestaltet und der Keller aufgeräumt ist.

Der Altersforscher Matthias Giesecke hat 2019 im Rahmen einer Untersuchung des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen Daten der Deutschen Rentenversicherung zu 800.000 Rentnern der Geburtsjahrgänge 1934 bis 1936 ausgewertet: Bei Menschen mit gut bezahlten Jobs und hohen Altersbezügen stieg das Sterberisiko kurz nach Eintritt in den Ruhestand mit 65 Jahren um zwei bis drei Prozent gegenüber der Gesamtgruppe an. Ursächlich ist laut Studie die Veränderung des Alltags, die sich auf die Gesundheit auswirkt: „Gerade frühere Gutverdiener sind durch den Renteneintritt offenbar größeren Gesundheitsrisiken ausgesetzt“, sagt Giesecke. „Bei Ihnen steht wahrscheinlich die soziale Isolation im Rentenalter im Vordergrund, weil sie mit der Berufstätigkeit auch Prestige und soziale Netzwerke verlieren.“

>> Variante „Ruhestand“

Einige freuen sich einfach darauf, viel Freizeit zu haben – auch weil sie finanziell ausgesorgt haben. Sie haben Zeit, Kraft und Lust, sich Dingen zu widmen, die während der Berufstätigkeit im eigenen Empfinden zu kurz gekommen sind oder einfach nicht realisierbar waren. Das kann der Segelschein, das Philosophiestudium, das Schreiben eines Science-Fiction-Romans oder die Weltreise sein. Diese Aktivitäten können einige Zeit in Anspruch nehmen und mental guttun. Wer damit gleitend in den häuslichen Ruhestand übergehen kann und sich nicht nutzlos fühlt, hat es wohl richtig gemacht. Doch was, wenn Sie danach unruhig im Haus auf und ab laufen? Wenn Sie gerne weiterhin etwas bewegen wollen?

>> Variante „Ehrenamt“

Wer weiterhin gerne seine Energie, sein Know-How und vor allem seine Erfahrung einsetzen möchte, hat mit ehrenamtlichen Engagements eine große Spielwiese. Fassen wir dabei Ehrenamt etwas weiter als das soziale Engagement, sind erfahrene Manager bei Start-ups gerne als Berater gesehen – vor allem pro bono. Wenn Sie bereit sind, Geld mitzubringen, werden Sie noch mehr Einsatzmöglichkeiten sehen. Ob als Berater, Business Angel oder Mentor: Sie können weiterhin beruflich aktiv sein, ohne einen Fulltime-Job zu haben. Aber nicht jeder kann Geld mitbringen oder möchte ohne Gegenleistung arbeiten.

>> Variante „Selbstständigkeit“

Ihr Wissen und Ihre Erfahrung ist weiterhin Geld wert! Vor allem für Unternehmen, die sich wichtiges Know-How nicht dauerhaft, also mit einer unbefristet eingestellten Führungskraft, einkaufen wollen oder können. In diesen Fällen ist das Engagieren eines Beraters oder Interimsmanagers beliebt. Oftmals ermöglicht sogar der bisherige Arbeitgeber ein befristetes Engagement in Anschluss an die Festanstellung. Manche Manager haben während ihrer Berufstätigkeit Themen und Herausforderungen immer aufs Neue erlebt, tun sich also meist leicht mit deren Lösung und können sie nun als selbstständiger Berater in der Branche oder bei Zulieferern oder Kunden verkaufen.

>> Variante „Aufsichtsrat“

Wissen und Erfahrung lässt sich auch als Aufsichtsrat oder Beirat nutzenstiftend und gegen Bezahlung einsetzen. Wenn Sie also gerne weithin Unternehmensentwicklungen begleiten wollen, ohne in der operativen Verantwortung zu stehen, dann ist ein solches Mandat passend und attraktiv. Allerdings ist das Erlangen eines Aufsichtsrats- oder Beiratsmandats wesentlich schwieriger als die Übernahme eines Interims- oder Beratungsmandats. Denn die Kriterien und Auswahlprozesse sind nicht nur langwierig, sondern auch anspruchsvoll. Aus der Praxis wissen wir, dass Interims- und Beratungsmandate leichter und schneller zu bekommen sind. Und zwar unabhängig davon, ob Sie 50 oder 60 Jahre und älter sind.

Dies ist nur eine Übersicht möglicher, typischer Optionen, die nach dem „offiziellen“ Karriereende ergriffen werden können. Wenn Sie sich in Ihrem Umfeld umhören oder im Netz umschauen, werden Sie noch einige andere finden. Wichtig ist, sich über die Zeit nach dem Job Gedanken zu machen – ganz egal, wann für Sie dieser Zeitpunkt erreicht ist. Denn schon 2010 titelte das Handelsblatt „Früh in Rente, früh ins Grab“.

Besser und gesünder als verdrängen ist dies allemal. Sich für die Zeit nach dem Job eine befriedigende, sogar heraufordernde Aufgabe zu suchen, ist eine gute Entscheidung – für Geist und Körper. Gehen Sie es also aktiv an, Ihr Karriereende!