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Den richtigen Job finden Sie nur mit Emotionen

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Der Bewerbungsprozess ist ein hochemotionaler Prozess, der einer Achterbahnfahrt der Gefühle gleicht.

Die Kandidaten verbinden mit der Bewerbungsphase starke Gefühle, Wettbewerb und Kampf, Sehnsucht nach Nähe und Anerkennung, Prüfungssituation, Glücksspiel und Zweifel an den eigenen Fähigkeiten. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der softgarden e-recruiting GmbH in Zusammenarbeit mit dem Ethnologen Prof. Dr. Manfred Seifert (Universität Marburg) aus über 100 Tiefeninterviews mit Bewerbern.

Lösen wir uns einmal von der Bewerbungssituation, so können wir festhalten: Emotionen bestimmen massiv unser Leben. Kaum ein Auto wird ausschließlich auf der Basis von Fakten und vernunftgesteuerten Überlegungen gekauft. Nicht einmal ein Lkw oder ein Bagger. Wenn Sie zweifeln, unterhalten Sie sich einmal mit einem Ingenieur. Der kann regelrecht ins Schwärmen geraten, wenn er über sein Produkt spricht und es kommt ganz von alleine zu einem Mix von Ratio und Emotionen.

Wenn also Entscheidungen für Investitionsgüter wie Autos, LKWs, Produktionsanlagen, Büromöbel oder sinnlich nicht fassbare IT-Lösungen auch emotional getroffen werden, wie wahrscheinlich ist es dann, dass Personalentscheidungen ausschließlich oder auch nur überwiegend mit dem Verstand getroffen werden?

Die Entscheidung über die Besetzung einer C-Level-Position ist es demnach auch: enorm vielschichtig, schwer fassbar, geschweige denn rein rational. Die über die C-Level-Besetzung entscheidenden Menschen wissen das/dies? für gewöhnlich und tun sich einen Gefallen, wenn sie das bewusst anerkennen. Die Führungskräfte wiederum, die eine neue Managementposition suchen, würden nur die Hälfte ihrer Möglichkeiten nutzen, wenn sie sich alleine auf sachliche Performancedarstellung und verstandesgestützte Gesprächsführung reduzieren würden. Es ist aber ein wesentlicher Unterschied, ob die Bewerber dies unbewusst tun, mit einem latent schlechten Gefühl, was sie gerade tun, oder es bewusst einsetzen. Zum Vorteil aller Beteiligten. Kein Manager wird ohne Emotionen eingestellt. Noch nicht einmal die Einladung zum Gespräch ist rein verstandesgestützt. Schon alleine Ihr Foto ist ein wesentlicher/relevanter? Faktor, ob Sie ein Gespräch bekommen oder nicht. Freundlich lächelnde Kandidaten haben eine höhere Chance als der streng dreinschauende Bewerber.

Die oben genannte Studie weist noch auf einen weiteren wichtigen Punkt hin. Wenn die Gemütslagen nicht ausreichend gezeigt und berücksichtigt werden, wächst das Risiko für Missverständnisse und falsche Erwartungen. Insbesondere die Recruitings??verantwortlichen sollten sich immer wieder mal in die Perspektive des Kandidaten versetzen, um Frustrationserfahrungen und damit auch Imageschäden für das Unternehmen zu minimieren. Mir begegnen in meiner Beratung leider viel zu oft Klienten, die eine große Lücke zwischen der mitarbeiterorientierten Außendarstellung einer Firma und dem tatsächlich erlebten Umgang im Bewerbungsprozess vorfinden. Das gipfelt dann durchaus mal in dem harschen Kommentar eines Personalchefs an den C-Level-Bewerber: „Wo kommen wir denn dahin, wenn Sie hier die Fragen stellen!“

Und last but not least: Die Entscheidung über ein konkretes Jobangebot sollte auch emotional getroffen werden.

Wer sich von vertraglich vereinbarten Fakten einfangen lässt und das Grummeln seines Bauches (oder die Sorgenfalten des Lebenspartners) ignoriert, trifft nach meiner Erfahrung eine schlechte, meist kurzlebige Entscheidung. Also haben Sie Mut (auch ein Gefühl!), Emotionen zu haben und zu zeigen!

Mehr zur Emotionalität im Bewerbungsprozess gibt es im Buch „Die CEO-Bewerbung“ von Nane und Jürgen Nebel. Ab März in der zweiten, komplett überarbeiteten und erweiterten Auflage.

Dieser Beitrag ist zuvor auf xing.com erschienen.