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Kündigen ohne einen Job in Aussicht? Nein, es geht anders.

eppicphotography, istockphoto

Wer Frust und Ärger im Job hat und auf den berühmten Anruf vom Headhunter wartet, sonst aber wenig tut, wird sein Leid vermutlich noch lange aushalten müssen. Und vielleicht dann doch zur „Kurzschlusshandlung“ neigen und ohne neuen Job kündigen. Davon rate ich ab! Ein strategisches Vorgehen ist viel sinnvoller!

>> „Lücke im Lebenslauf“ ist kein Contra-Argument

Von einer Kündigung ohne neuen Arbeitsvertrag rät auch Personalberater Bernd Rose in seinem aktuellen Klartext-Beitrag „Kündigen ohne einen Job in Aussicht? Lieber nicht!“ ab. Mit meiner Nein-Position stimme ich Herrn Rose zu. Aber ich kann mich seiner Argumentation nicht anschließen. Diese ist viel zu sehr auf den Mythos „Lücke im Lebenslauf“ ausgerichtet. Wer wie ich tagein tagaus mit Führungskräften der oberen und obersten Ebenen zu tun hat, weiß, dass „Lücken“ völlig normal sind. Ein Geschäftsführer, der kurzfristig freigestellt wird und in einem Markt mit geringer Fluktuation eine adäquate Führungsposition sucht, bekommt in den wenigsten Fällen eine direkte Anschlussverantwortung. Wirklich passende Führungspositionen sind naturgemäß eher rar gesät. Die potentielle Lücke im Lebenslauf ist für mich daher kein Argument gegen eine Kündigung ohne neuen Arbeitsvertrag. In über zehn Jahren Beratung dieser Zielgruppe haben ich nie einen spürbaren Unterschied in der Vermarktbarkeit von Führungskräften mit oder ohne „Lücken“ erlebt.

>> Strategisches Newplacement ist der Königsweg

Ich plädiere stattdessen für ein strategisches Newplacement, wenn der alte Job nicht mehr der passende ist. In meiner Beratungspraxis erlebe ich tagtäglich, dass die unzufriedenen Manager das Leid und den Ärger beim aktuellen Arbeitgeber viel besser aushalten, wenn sie mit unserem System der konsequenten Marktbearbeitung – Schlüsselbaustein ist die Zielgruppenkurzbewerbung – erleben, dass sie sich AKTIV mehrere Optionen können. Das ist ein positiver Ansatz, der ohne Angstmache und Kurzschlussreaktion auskommt.

Meine Klienten gehen aktiv auf interessante Unternehmen zu und entdecken so deren Bedarf – also vakante Führungspositionen. Wir reden hierbei vom sogenannten verdeckten Stellenmarkt: circa 80 Prozent der vakanten Stellen werden „verdeckt“ besetzt, weil sie niemals öffentlich ausgeschrieben werden. Diese Stellen erscheinen also nicht in Anzeigen oder in Online-Jobbörsen, insbesondere wenn es um Führungspositionen geht. Um diese „verdeckten Vakanzen“ zu finden, müssen Sie aktiv auf die Unternehmen zugehen, sich also initiativ bewerben. Natürlich nicht mit umfangreichen Bewerbungsmappen, sondern mit den richtigen Kurzinformationen. Meine Klienten erzielen mit diesem Ansatz durchschnittlich zehn Erstgespräche bei Unternehmen und können am Ende meist zwischen mehreren Jobangeboten auswählen. Eine komfortable Situation, um den Frust beim alten Job zu beenden. So bekommen Sie als Jobsuchender Rückgrat und zusätzliches Selbstbewusstsein!

Dieser strategische Ansatz hat übrigens mehrere Vorteile. Meistens finden Sie so Jobs mit größerem Verantwortungsumfang und damit verbunden einem höheren Gehalt. Liegt sogar mehr als ein unterschriftsreifes Angebot vor, können Sie Kriterien wie „kein Umzug mit der Familie“, „mehr Gestaltungsfreiraum“, „verbesserte Lebensqualität“ und „gesündere Rahmenbedingungen“ realisieren. Mit der Zielgruppenkurzbewerbung und dem aktiven Bearbeiten des verdeckten Stellenmarktes kehren Sie die Bewerbungssituation um: Unternehmen bewerben sich in direkter Konkurrenz um Sie!

>> „Kurzschluss-Kündigung“ sorgt für neue Sorgen

Abschließend noch ein paar Worte zur Klartext-Position von Frau Frankenfeld, die die mutige Variante „Ja, mache es!“ vertritt. Wer in Rahmenbedingungen lebt, die einem das ermöglichen, dem sei es natürlich gegönnt. Die allermeisten Manager (und nicht nur diese) tragen die finanzielle Verantwortung für eine Familie. Wer mit dieser Verpflichtung auf den Schultern ohne neuen Job kündigt, muss mit einer sehr großen psychischen und finanziellen Belastung rechnen. Ob diese einfacher zu schultern ist als der Frust im Job, muss jeder für sich beantworten. Ich weiß, dass insbesondere Führungskräfte in höheren Positionen mehrere Monate brauchen, um eine neue Herausforderung zu finden, die nicht zu erneutem Job-Frust führt. Das strategische Newplacement ist daher der Königsweg im Job-Frust-Dilemma.

Wie dieses strategische Newplacement aussehen kann, beschreiben wir ausführlich in unserem Buch „Die CEO-Bewerbung“.