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Neues Jobangebot? In drei Schritten zur richtigen Entscheidung

deepblue4your; istockphoto
Gute Führungskräfte können sich die Jobs oft aussuchen. Bestenfalls bieten sich Ihnen zeitgleich mehrere Optionen. Leider wissen Sie erst später, ob Sie in so einer Situation die richtige Entscheidung getroffen haben. Denn wie formulierte schon Søren Kierkegaard so treffend: „Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, leben muss man es aber vorwärts.“Ein Fehlgriff entpuppt sich oft schon nach kurzer Zeit, entweder weil der Führungsstil oder die Unternehmenskultur überhaupt nicht passen oder auf einmal Tatsachen ans Licht kommen, die vorher nicht zu sehen waren. Und dann? Die Arbeit in der Probezeit zu beenden fühlt sich an, wie gescheitert zu sein. Sich schon wieder auf die Suche zu begeben fällt den wenigsten leicht. Die Ausgangssituation, danach dann den richtigen Job zu finden, hat sich noch etwas verschlechtert. Der Zeitdruck ist größer. Kündigen Sie in der Probezeit, bedeutet das meist außerdem, nur noch zwei bis vier Wochen Gehalt zu bekommen und fast immer erst einmal arbeitslos zu werden. Das belastet viele. Dann heißt es, Ruhe bewahren und unbedingt eine erneute Fehlentscheidung vermeiden.

Step 1: Sammeln Sie so viele Informationen wie möglich

Auch wenn die Ausgangslage günstig ist und Sie sich aktiv verändern wollen, kommt irgendwann im Laufe des CEO-Auswahl- oder -Bewerbungsverfahrens der Zeitpunkt der Entscheidung: Passt das Unternehmen zu mir und trage ich dort die Verantwortung, die mir liegt, oder warte ich lieber aufs nächste Angebot? Egal ob Sie diese Entscheidung verzweifelt oder selbstbewusst treffen, oft zeigt sich beim genaueren Hinsehen und Hinterfragen schon, ob Sie im Begriff sind, falsch auszuwählen. Meist fehlen für eine kluge Entscheidung noch wichtige Informationen, man ist Ihnen nicht auf der notwendigen Augenhöhe begegnet, oder Sie haben ein unstimmiges, gar beunruhigendes Gefühl bezüglich einer Äußerung, die Sie irritiert hat. Und noch haben Sie keine Erklärung, die Sie das verstehen und akzeptieren lässt. Ihr Bauchgefühl nicht ausreichend miteinzubeziehen – ein sehr typisches Muster, in dem sich viele Bewerber wiederfinden.

Natürlich können Sie nicht in die Zukunft blicken. Aber Sie können sich so gut über das neue Unternehmen und die neue Position informieren wie möglich. Daher ist es erst einmal wichtig zu wissen, was Sie sich von Ihrem zukünftigen Job wünschen. Führungskräfte wünschen sich häufig Möglichkeiten wie:

  • wieder gestalten zu können,
  • Wertschätzung zu erfahren,
  • in nachhaltigen Branchen zu arbeiten und
  • mehr Zeit für sich selbst oder die Familie zu haben.

Als Außenstehender können Sie nicht alle Informationen sammeln, aber mit einer Entscheidungsmatrix lassen sich die erkundeten Informationen besser überblicken und sich der Prozess zumindest etwas rationalisieren. Mit solchen validen Informationen lässt sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die richtige Wahl für sich zu treffen. Mehr auch nicht. Aber immerhin.

Die Devise lautet: Vorher rausbekommen, was Sie nachher erwartet. Und genau dafür sollten Sie den Auswahl- und Bewerbungsprozess nutzen. Nicht nur um von sich selbst zu überzeugen und um jeden Preis den Zuschlag zu bekommen, sondern so gut es eben geht, hinter die Kulissen zu schauen und den Gesprächspartnern hinter die Stirn. Die beste Möglichkeit dafür sind viele mit großer Umsicht geführte persönliche Gespräche mit Unternehmensvertreterinnen und -vertretern. Die lassen sich nicht ersetzen. Die dort gewonnenen Erkenntnisse können dann in Ihre individuelle Entscheidungsmatrix aufgenommen werden. Auch der Auswahlprozess selbst verrät viel über die Unternehmenskultur und liefert Indizien für den späteren Gestaltungsspielraum. Außerdem sagt der Arbeitsvertrag häufig viel mehr, als Sie denken. Profis erkennen sehr schnell, ob er wirklich ausgewogen ist oder sehr einseitig und restriktiv, was von einer schlechten Vertrauenskultur zeugt.

Step 2: Verhandlungen auf Augenhöhe

Und da wären wir auch schon beim zweiten Baustein für gute Entscheidungen: Augenhöhe. Oftmals erklären mir selbst gestandene Führungskräfte, dass eine freundlich-insistierende Forderung nach Informationen einer Bewerbung um einen Job nicht angemessen sei. Vielmehr solle man sich doch gut verkaufen. Unsere durchaus provokative Gegenfrage lautet in solchen Fällen: „Wenn Sie sich gut verkauft haben, wem gehören Sie denn dann?“ Es geht nicht darum, eine Rolle zu spielen, um diesen einen Job zu bekommen. Denn diese Rolle müssten Sie dann über Jahre weiterspielen. Das ist ganz weit weg von Authentizität, Augenhöhe und eigenen Werten. Das ist Täuschung – sowohl gegenüber dem Unternehmen als auch sich selbst.

Warum nicht einfach offen fragen: „Was hat Ihnen an meiner Bewerbung so gut gefallen, dass Sie mich eingeladen haben?“ Diese „Umkehrfrage“, freundlich formuliert, demonstriert Augenhöhe par excellence, und Sie bekommen viel mehr Informationen für Ihre Entscheidungsmatrix.

Step 3: Aufs eigene Bauchgefühl hören

So eine Entscheidungsmatrix ist ein Zwischenschritt, der die sehr komplexe Entscheidung in Einzelteile zerlegt und dann durch Addition versucht, auch die Gesamtbewertung messbar zu machen. Sie ist natürlich nur scheinbar eine quantifiziert-rationale Methode. Denn schon der Input ist subjektiv und nicht messbar. Ganz abgesehen von den Gewichtungen, die die einzelnen Kriterien für Sie haben. Aber das Spannende an dem Prozess ist, dass er nicht zu einem eindeutigen Ergebnis kommen muss. Sie ermitteln zwar rein rechnerisch Ihren Favoriten, spüren aber: Das ist er nicht. Eigentlich will ich den Job nicht.

Genau hierauf zielt die ganze Übung: Das Unübersichtliche und Unvorhersehbare etwas greifbarer zu machen, um genau dadurch wieder Ihre Intuition herauszufordern und zum Durchbruch zu verhelfen. Denn offensichtlich wollen Sie oft etwas anderes als der errechnete Höchstwert behauptet. Nachdem Sie mithilfe der Entscheidungsmatrix den Kopf haben sprechen lassen, verhilft Ihnen Ihre Intuition am Ende mit größerer Wahrscheinlichkeit zum Durchbruch. Und Intuition ist aus wissenschaftlicher Sicht nichts Esoterisches, sondern das Ergebnis der inneren Verrechnung all der bewusst und unbewusst wahrgenommen Eindrücke. Mit einer Bauchentscheidung greifen Sie, wie bei rationalen Entscheidungen auch, auf angesammeltes, in diesem Fall gefühltes Wissen zurück.

Gestandene Führungskräfte sammeln viele Erfahrungen, die das Bauchgefühl als wichtigen Mit-Entscheider rechtfertigen. Außerdem tröstet das gute Gefühl, sich nichts vorwerfen zu müssen bei der Wahl des neuen Jobs – selbst wenn sich nach Wochen oder vielen Monaten zeigt, dass sich Ihre Devise, vorher herauszubekommen, was Sie nachher erwartet, nicht ganz erfüllt hat.

Dieser Beitrag ist in der ursprünglichen Fassung im Newsletter montagshappen erschienen.