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Neues wagen? Fünf Tipps für den gelungenen Branchenwechsel

Durch die Corona-Krise sind einige Branchen arg gebeutelt und damit auch Arbeitsplätze gefährdet oder bereits weggefallen. Andere Branchen dagegen boomen und suchen händeringend Mitarbeiter. Da liegt der Gedanke an einen Branchenwechsel nah. Doch auch ohne Corona-Druck ist der Reiz, in einer anderen Branche mit neuen Aufgaben und Herausforderungen zu arbeiten, für viele Beschäftige groß – Stichwort „New Work“. Hier kommen meine fünf Tipps, wie dieser „Sprung“ in eine neue Branche mit besseren Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten gelingen kann.

>> Tipp 1: Lebenslauf generalisieren

Gestalten Sie Ihren Lebenslauf so, dass Ihre beruflichen Stationen generalisiert sind: Beschreiben Sie Ihre Aufgaben möglichst allgemein und nutzen Sie Funktionsbezeichnungen, die für jeden verständlich sind. Also lieber „Director Key-Account-Management“ als „Head of CRM-Apps SMB“. Dabei helfen Ihnen diese Fragen, wichtige Informationen für den Leser herauszufiltern: Was für eine Art von Unternehmen war bzw. ist Ihr Arbeitgeber? Welche Geschäftsfelder, Umsatz, Mitarbeiter, Internationalität haben Sie dort vorgefunden? Welche primären Aufgaben hatten oder haben Sie? Welche Umsatz-, Budget- und Mitarbeiterverantwortung hatten oder haben Sie selbst? Ziel ist hierbei, dem Leser zu zeigen, dass Ihr Erfahrungsschatz unabhängig von der Branche und dem jeweiligen Unternehmen ist.

>> Tipp 2: Erfahrungen und Erfolge dokumentieren

Legen Sie den Fokus zudem auf Erfahrungen und vor allem Erfolge, die auf andere Branchen transferierbar sind. Zeigen Sie, welche Probleme Sie gelöst und welche Ziele Sie für das jeweilige Unternehmen erreicht haben, die losgelöst vom Branchen-Knowhow sind. Beispielsweise sind die Reduzierung der Ausschussquote, die Erhöhung der Kundenzufriedenheit, die Verbesserung der Einkaufskonditionen, die Vermeidung einer Fehlinvestition alles Erfolge, die für jedes Unternehmen über alle Branchen hinweg wichtig sind. Nachgewiesene Erfolge stellen wirklichen Nutzen für zukünftige Arbeitgeber dar und sind meist unabhängig von der jeweiligen Branche.

>> Tipp 3: Flexibilität bieten

Stellen Sie dar, dass Sie flexibel sind. Das beginnt bereits im Lebenslauf: Zeigen Sie, dass Sie sich schnell in neue Aufgaben eingearbeitet haben, dass Sie in kurzer Zeit komplexe Themen erfassen. Und behaupten dies nicht nur, sondern belegen es, indem Sie aufzeigen, dass Sie parallel zu Ihrer normalen Aufgabe noch in Projektteams eingebunden waren oder sogar noch studiert und einen MBA gemacht haben. Bezogen auf einen neuen Job kann Flexibilität die Bereitschaft im Homeoffice zu arbeiten, eine Fortbildung zu besuchen oder auch eine Aufgabe mit vorübergehend geringerem Verantwortungsumfang zu übernehmen, bedeuten. Und klären Sie in den Gesprächen, welche Branchenerfahrung beim Unternehmen erwartet wird, damit Sie entscheiden können, wie groß das Risiko des Wechsels voraussichtlich sein wird.

>> Tipp 4: Suchfeld definieren

Wählen Sie möglichst viele Branchen aus, in denen Sie gern arbeiten möchten. Das können zum einen Branchen sein, die mit ihren bisherigen „verwandt“ sind. Zum anderen sollten Sie auf Boom-Branchen setzen. Je mehr Branchen Sie finden, desto besser. Und überlegen Sie auch, wie Ihr Suchfeld hinsichtlich Region (Standort) und Unternehmenstyp (Unternehmensgröße) aussieht. Je mobiler Sie sind, desto größer das Suchfeld. Gleiches gilt, wenn Sie sich sowohl Mittelstandsunternehmen als auch Konzerne bzw. deren Tochtergesellschaften als Arbeitgeber vorstellen können. Wenn Sie Ihr Suchfeld definiert haben, suchen Sie sich passende Unternehmen – entweder mit einer Internetrecherche oder noch besser mit dem Kauf von Adressen via Anbieter von Firmendatenbanken.

>> Tipp 5: Initiativbewerbung

Bewerben Sie sich initiativ! Damit kommen Sie an den verdeckten Stellenmarkt heran, der den größten Teil des Bewerbungsmarktes ausmacht. Bei Führungspositionen sind nur circa 20 Prozent der zu besetzenden Positionen ausgeschrieben und auf diese kommen Hunderte Bewerbungen. Damit sind Ihre Chancen gerade als „Branchenfremder“ bei ausgeschriebenen Stellen sehr gering. Gehen Sie also aktiv an den Markt und schreiben Sie die Entscheider in den von Ihnen identifizierten Unternehmen initiativ an. Denn nur die Unternehmensverantwortlichen wissen genau, welche Führungspositionen aktuell oder in absehbarer Zeit zu besetzen sind. Wie das genau zu machen ist, zeigen unsere beiden Bücher „Die CEO Bewerbung“ und „Die CEO Auswahl“, mit vielen Praxisbeispielen. Sie sind nicht nur für das C-Level geschrieben, sondern bieten für (beginnende) Führungskräfte konkrete Hilfestellung beim Branchenwechsel.

Unsere Wirtschaft braucht – ganz unabhängig vom Branchen-Know-how – dringend Führungskräfte, die mit guten Ideen die Zukunft gestalten, die mutig Verantwortung für Unternehmens- und Mitarbeiterentwicklung übernehmen und auch unangenehme Maßnahmen ausgleichend umsetzen können. Seien Sie also mutig und wagen den Branchenwechsel!