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Sind Lücken im Lebenslauf Karrierekiller? Nein!

Foto: miljko, istockphoto

Die besorgte Frage „Was mache ich bloß mit der Lücke in meinem Lebenslauf?“ lässt sich einfach beantworten: Gar nichts! Denn eine „Lücke“ ist ganz normal und keinesfalls ein Makel.

Viele Bewerber glauben – auch weil es ihnen von Ratgebern, Personalleitern oder Headhuntern mit großer Überzeugung vorgetragen wird – dass man keine Lücken in der Beschäftigung haben darf und die einzelnen Stationen akribisch mit Angabe von Start- und Enddatum aufgelistet werden müssten. Phasen ohne Anstellung oder sehr kurze Stationen wären ein Makel und führten zur „Aussortierung“.

>> Lücken im Lebenslauf sind normal.

Wenn ich mir die Lebensläufe der von mir beratenen Führungskräfte anschaue, kann ich verlässlich sagen, dass „Lücken“ ganz normal sind. Ein Geschäftsführer oder Bereichsleiter, der kurzfristig freigestellt wird und in einem Markt mit geringem Angebot eine adäquate Führungsposition sucht, bekommt in den wenigsten Fällen eine direkte Anschlussbeschäftigung. Denn wirklich passende Führungspositionen sind eher rar gesät, so dass die durchschnittliche Suchzeit durchaus sechs Monate und länger beträgt – und schon ist eine „Lücke“ entstanden. Es sei denn, man nimmt den erstbesten Job, der einem angeboten wird, nur um die „Lücke“ zu schließen. Das birgt jedoch das hohe Risiko, eine falsche Wahl zu treffen und damit eine „Kurzstation“ in den Lebenslauf zu bringen. Vor der dann wiederum vehement gewarnt wird. Von Ihrer Unzufriedenheit bei Verbleib ganz zu schweigen.

Stellen Sie sich doch selbst einmal die Fragen: „Was soll an einer „Lücke“ im Lebenslauf, also einer beschäftigungslosen Phase, so schlimm sein?“ Würden Sie tatsächlich jemanden, der Sie fachlich und menschlich voll überzeugt hat, nur wegen einer „Lücke“ im CV ablehnen und aussortieren?

>> Lücken sind manchmal notwendig.

Welche Vorteile kann Ihnen eine „Lücke“ bringen? Viele Manager brauchen erst einmal zeitlichen Abstand von der vorherigen Verantwortung. Die Enttäuschung, von einen auf den anderen Tag freigesetzt worden zu sein, steckt kaum einer einfach weg. Und glauben Sie mir, „die Freisetzung“ hat meistens mit den Führungskräften gar nichts oder sehr wenig zu tun. Oft haben sie sie sogar selbst betrieben. Dennoch machen sich bei manchen Selbstzweifel und Sorgen breit. Und oftmals sind der Frust und die Erschöpfung so groß, dass die Energie fehlt, um sofort nach vorne zu schauen und etwas Neues zu suchen. Zumal die meisten vollkommen aus der Übung sind, sich zu bewerben. Daher treffen viele Führungskräfte in ihren Vorstellungsgesprächen auf „Seelenverwandte“: ihr Gegenüber kennt diese Krisensituation, in der man sich nach einem Rausschmiss oder einer Freistellung befindet. Das ist meist der Unterschied zwischen Entscheidern und den HR-Verantwortlichen, die die „Lücken-Erkenntnis“ zum Besten geben, oft selbst aber in der Auswahl dann doch nicht so streng danach handeln.

Lassen Sie sich also nicht einreden, eine Lücke im Lebenslauf sei ein K.O.-Kriterium. Und lassen Sie sich nicht beirren, wenn der Personalleiter oder Personalberater provokativ kommentiert: „Warum haben Sie denn sechs Monate nach ihrer Freistellung immer noch nichts gefunden? Da entsteht aber eine ganz ungünstige Lücke in Ihrem Lebenslauf!“

>> Schauen Sie auf das Gelungene.

Aus meiner Erfahrung sind das Wichtigste im Lebenslauf Ihre Aussagen zu Ihren erfüllten Aufgaben, Ihren Verantwortungen sowie vor allem Ihren erzielten Erfolgen. Daher sollte Ihr Lebenslauf zu jeder Station – ganz egal wann und wie lange sie war – die Fragen beantworten: Was für eine Art von Unternehmen war Ihr Arbeitgeber? Welche Funktion haben Sie dort erfüllt? Welche primären Aufgaben hatten Sie? Mit welcher Umsatz-, Budget- und Mitarbeiterverantwortung? Und vor allem: Welche Erfolge haben Sie in genau dieser Funktion für das Unternehmen erreicht? Die Einführung eines neuen Produktionssystems ist nicht per se ein Erfolg, wenn danach die Liefertermine außer Kontrolle geraten sind. Das Outsourcing der Buchhaltung nach Indien kann zwar Kosten sparen, aber zu gefährlichen Risiken führen. Nachgewiesene Erfolge – nicht lückenlose Beschäftigungsdokumentation – stellen wirklichen Nutzen für zukünftige Arbeitgeber dar.

Mehr zum Thema „Der richtige Lebenslauf“ gibt es im Buch „Die CEO-Bewerbung“.

PS: Die Lücke zwischen zwei Lebenspartnerschaften würden Sie auch nicht zwanghaft füllen, um attraktiver für die neue Partnerschaft zu erscheinen 😉