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Was sich für Bewerber durch Corona im positiven Sinne geändert hat

Die Coronakrise hat den Bewerbungsprozess in einigen Punkten verändert. Bei genauer Betrachtung sind durchaus positive Entwicklungen entstanden – ohne dabei Bewährtes vollkommen verloren zu haben.

Wer also in nächster Zeit seine berufliche Neuorientierung zupackend und erfolgreich angehen will, sollte ein paar Tipps beherzigen.

>> Tipp 1: Initiativbewerbung

Die Wirtschaft erholt sich wieder, und damit nimmt die Nachfrage nach Fach- und Führungskräften zu. Wir rechnen also mit einem steigenden Angebot an neu zu besetzenden Stellen am Arbeitsmarkt. War es vor Corona schon wenig erfolgversprechend, sich auf offen ausgeschriebene Stellen zu bewerben, ist es jetzt noch weniger effektiv. Im Durchschnitt kommen auf eine ausgeschriebene Stelle mehrere Hundert Bewerbungen, bei Führungspositionen immer noch an die Hundert. Bei solch starker Konkurrenz einen Treffer zu landen, gleicht fast einer Lotterie.

Daher empfehle ich in diesen Zeiten umso mehr, sich aktiv und initiativ bei attraktiven Unternehmen zu bewerben. Denn bei Führungspositionen sind nur annähernd 20 % offen ausgeschrieben, sprich 80 % gehören dem „verdeckten“ Stellenmarkt an und sind für Bewerber nicht offen auffindbar. Diese Stellen finden Sie nur über eine Initiativbewerbung oder über einen mit der Besetzung beauftragten Personalberater. Eine Initiativbewerbung an für Sie passende Zielgruppen-Unternehmen ist also der Weg, der (weiterhin) sehr gut funktioniert. Und je größer der Ansturm auf ausgeschriebene Stellen ist, desto sinnvoller ist dieser Alternativweg zu den über 80 % nicht ausgeschriebener Vakanzen.

>> Tipp 2: Flexibles Arbeiten

Corona hat viele Mitarbeitende ins Homeoffice „gezwungen“ und tut es weiterhin. Die Resonanz seitens Unternehmen und Mitarbeitenden fällt sehr unterschiedlich aus. Ein Teil der Unternehmen wird auch in Zukunft auf Homeoffice setzen, zumindest anteilig. In vielen Stellenbeschreibungen ist dies schon ausdrücklich aufgenommen. Entsprechend empfehle ich Bewerbern, ihre Bereitschaft zu mobilem oder flexiblem Arbeiten darzustellen bzw. diese sogar anzubieten. Dazu gehört auch, dass viele Bewerbungsgespräche während Corona statt persönlich über Videokonferenzen abgehalten wurden.

Auch dies wird nach meiner Einschätzung zumindest für die ersten ein bis zwei Gespräche so bleiben. Sie sollten also auch weiterhin bereit sein, Gespräche per Video zu führen. Dennoch ersetzt Video keinesfalls die Eindrücke eines persönlich erlebten Gesprächs. Daher sollten Sie auf jeden Fall vor einer Vertragsunterschrift auf ein persönliches Gespräch bestehen und das Unternehmen von innen und wichtige Personen persönliche kennenlernen.

>> Tipp 3: Branchenwechsel

Corona hat manchen Branchen einen regelrechten Boom beschert, andere Branchen liegen noch immer „im Koma“. Erstere haben einen besonders großen Bedarf an neuen Mitarbeitenden – auch Managern – und sind daher auch auf Branchenfremde angewiesen. Daher empfehle ich, dass Sie sich auch außerhalb Ihrer eigenen Branche bewerben. Legen Sie dazu den Fokus Ihres Lebenslaufs auf Kompetenzen, Erfahrungen und Erfolge, die auf andere Branchen transferierbar sind. Es gilt, zu zeigen, welche Probleme Sie gelöst und welche Ziele und Erfolge Sie erreicht haben, die losgelöst vom Branchen-Know-how sind.

Beispiele sind: die Verkürzung der Time-to-Market, die Reduzierung der Ausschussquote, die Erhöhung der Kundenzufriedenheit, die Verbesserung der Einkaufskonditionen, die Vermeidung einer Fehlinvestition. Das sind allesamt Erfolge, die für jedes Unternehmen wichtig sind – vollkommen unabhängig von der Branche. Wie genau Sie sich in einem dazu passenden Profil positionieren, erläutern wir in unserem Buch „Die CEO-Bewerbung“ (hier gibt es die Leseprobe).

>> Tipp 4: Die richtige Wahl

Während Corona hat sich gezeigt, wie sich Unternehmen in Stress- und Krisensituationen gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und Partnern verhalten, welche Werte sie tatsächlich leben. Hinzu kommt, dass Mitarbeitende durch Homeoffice aus dem täglichen Trott gerissen wurden und ihr Leben außerhalb des Jobs ganz anders erlebt haben und bewerten. Bei vielen Managern, die in unsere Beratung kommen, haben diese Erlebnisse dazu geführt, dass sie eine neue Aufgabe in einem anderen Unternehmen suchen. „Sinn in der Arbeit“, „Nachhaltigkeit“ und „Purpose“ sind die neuen Motivatoren für einen Job- und Firmenwechsel. Hierzu gehört dann auch die richtige Auswahl im Sinne „vorher herausfinden, was einen nachher erwartet und was man tatsächlich bekommt“.

Ein strukturierter Bewertungsprozess zu angebotenen Stellen und dem potenziellen Arbeitgeber ist sehr wichtig, kombiniert mit dem bewussten Beachten des Bauchgefühls. Nicht nur die Generation Z hat neue Werte für ihr Arbeitsleben, auch gestandene Manager legen neue Maßstäbe an. Wie konkret Auswahlprozesse erfolgen – vor, während und nach Corona – erklären wir ausführlich in unserem Buch „Die CEO-Auswahl“ (hier gibt es die Leseprobe).