Fallbeispiele

Vorsicht bei Wechsel mit Parkposition

Parkposition in der Karriere

Reinhold Hohenhagen (Name geändert), 42, startete seine Bilderbuchkarriere bescheiden als Lehrling bei einem deutschen Automobilkonzern. Er setzte später gezielt zwei wirtschaftswissenschaftliche Studienabschlüsse bei deutschlandweit beziehungsweise weltweit renommierten Hochschulen obenauf; den zweiten berufsbegleitend neben seiner herausragenden praktischen Managementtätigkeit. Eine DAX-Vorstandsreferententätigkeit zierte fortan seinen CV ebenso wie eine äußerst erfolgreiche Beratungstätigkeit in einer angesehenen Beteiligungsgesellschaft und eine Bereichsleiterverantwortung Finanzen bei einem Mittelstandsunternehmen. Leider hatten sich Hohenhagens Karrierechancen durch seine letzte Verantwortung reduziert: Er hatte sich als Head of Corporate Finance eines mittelstandsgeprägten Konzerns mit Milliardenumsätzen in eine Sackgasse manövriert, denn die schon bei Vertragsunterzeichnung zugesagte Geschäftsführerposition einer Konzerngesellschaft war ihm infolge der Finanzkrise nie angeboten worden.

Aus diesem und zahlreichen anderen Praxisfällen leitet sich ein wichtiger Grundsatz ab: Verlassen Sie sich nie auf vertraglich nicht festgeschriebene „nächste Entwicklungsschritte“, die nur gesprächsweise erwähnt oder sogar zugesichert wurden. Solche Positionen sollten Sie nicht annehmen, wenn Ihnen der nächste Schritt wichtig ist. Wer also sichergehen will, verlässt sich nicht auf einmal auf vertragliche Zusagen, sondern tritt nur an, wenn die Startposition bereits den gewünschten Umfang hat.

Hohenhagen selbst hatte man, statt ihm die versprochene Geschäftsführerposition zu geben, auf seinen Wunsch hin in einer Projektleiteraufgabe geparkt, damit er sich außerhalb des Konzerns neu orientieren konnte. Ihm lief nun die Zeit davon. In seinem Alter hatten andere mit weit geringerer Qualifikation bereits erfolgreich die zweite Geschäftsführung gemeistert. Er wollte nicht länger von Launen der Konzernlenker, den Schwankungen der Weltwirtschaft oder auch nur individuell behindernden Branchenflauten abhängig sein. Auch er entschied sich für die systematische Auslotung seiner Chancen mittels Zielgruppenkurzbewerbung. Er wollte in seiner Karriere unabhängig werden von der Gunst des Augenblicks, den natürlichen Begrenzungen jeglicher Beziehungsnetzwerke oder Launen der Managerauswahl von Personalvorständen oder Executive-Search-Beratern.

Als Hohenhagen aus der Defensive in die Offensive ging und mittels Zielgruppenkurzbewerbungen aktiv an den Markt ging, erfuhr er endlich die Wertschätzung, die ihm in seiner bisherigen Firma  vorenthalten wurde. Die operativ Verantwortlichen, die ihn einluden, wussten seinen auf den ersten Blick nicht stringenten CV richtig zu lesen. Sie sahen das, was Hohenhagen für die bisherigen Arbeitgeber erreicht hatte. Sie verstanden auch, dass man ihn nach getaner erfolgreicher Umstrukturierung durch einen preiswerteren Manager ersetzt hatte, und sahen darin keinen Karriereknick, sondern zutreffend die unternehmerische Optimierung des früheren Vorstandes: Schließlich konnte das laufende Geschäft auch eine weniger erfahrenere Führungskraft besorgen.

Das Ergebnis seiner aktiven Unternehmensansprache gab Hohenhagen Recht: Erstgespräche mit zig potenziellen Arbeitgebern, vom DAX-Konzern über eigentümergeführte Mittelstandsunter­nehmen und Beteiligungsgesellschaften bis hin zum Family Office mit Milliardenvermögen. Jetzt war Hohenhagen am Zug. Und entschied völlig frei und souverän, verpflichtet allein seinen persönlichen Vorlieben, Wünschen, Zielen und langfristigen strategischen Überlegungen. Seine finale CFO-Position mit mehrjähriger fester Geschäftsführerberufung konnte er unter mehreren auswählen und sich zudem eine höhere Jahresvergütung sichern.

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