Fallbeispiele

Wenn der „Unternehmens-Vater“ zur Gefahr wird

hofred, istockphoto

 

>> Maschinenbau-Ingenieur Harald Eifler, 53, Familienvater zweier noch kleiner Töchter, gehörte zum eher ruhigen Typus des gesamtverantwortlichen Geschäftsführers. Als er zum Kennenlerngespräch kam, klagte er augenzwinkernd: „Ich habe eine Schwäche für ältere Herrn!“ In den letzten beiden Positionen, berichtete er, sei er auf die Versprechungen desselben Typs von Eigentümer-Unternehmer hereingefallen.

Beide Gründerunternehmer blickten in der Bewerbungsphase auf ihn wie auf einen Sohn, anerkannten seine Erfolge und beteuerten, dass er die beste Wahl für ihr Unternehmen wäre. Die Gründerväter malten für ihn eine strahlende Zukunft aus, denn ihr eigen Fleisch und Blut sei ja leider nicht in der Lage, die große Verantwortung für Unternehmen und Mitarbeiter zu tragen. Sie baten ihn zu kommen. Und Eifler kam.

>> Wenn der Rückenwind zum Gegenwind wird

Doch irgendwann drehte der Wind und der nunmehr an Bord gekommene „Sohn“ spürte diesen Wind jetzt aus einer anderen Richtung pfeifen. Vielleicht waren die Kinder der Selfmademen doch nicht so unbegabt, konnten oder wollten neben dem großen, starken, eigensinnigen Baum aber kein fremdbestimmtes Schattendasein fristen? Eifler wollte das auch nicht. Das erste Mal traf ihn das Un-Glück schon in der Probezeit: Der „Unternehmens-Vater“ stellte ihm ohne Vorwarnung nach 4 Monaten den Stuhl vor die Tür, weil er einem „Angebot, das man nicht ablehnen kann“ zustimmte und sein Unternehmen nach 42 Jahren verkaufte. Die ihm so wichtigen Mitarbeiter wogen nun doch nicht mehr so schwer und sein neuer „Adoptiv-Sohn“ schon gleich gar nicht. Er verweigerte ihm sogar jeglichen finanziellen Ausgleich dafür, dass Eifler von einem Tag auf den anderen kein Gehalt mehr bezog, vom Erfüllen des an sich nicht vorzeitig kündbaren Vertrages ganz zu schweigen. Der Käufer, ein Private Equity-Investor, installierte wie meist üblich sein eigenes Management. Eifler erkannte, dass er ein Spielball und am Ende Opfer eines natürlich längst angebahnten Deals war. Denn natürlich war der Unternehmer schon zu Zeiten der Einstellungsverhandlungen in Verkaufsverhandlungen gewesen, nur wollte sich dieser für alle denkbaren Szenarien wappnen und sicherte sich Eiflers erwiesenes Erfolgspotential und seine Managementqualitäten. Da die Unternehmenszahlen weit überdurchschnittlich waren, konnte Eifler auch nicht ahnen, dass der Unternehmer Kasse machen und das Unternehmen samt Mitarbeiter verkaufen wollte.

>> Wenn sich persönliche Muster wiederholen

Eifler fand jedoch schnell die nächste Gesamtverantwortung. Er musste sie schnell finden! Denn er hatte keine Wahl, weil Zeit und Geld knapp wurden. Allerdings war die neue Verantwortung deutlich schlechter dotiert – das Unternehmen, so beteuerte der damals 76-jährige Unternehmensgründer, könne sich mehr nicht leisten. Dieses zweite Mal musste Eifler lange leiden: Fünf Jahre! Fast alles schien anders zu sein, als vorher miteinander besprochen. Das Unternehmen befand sich schon seit gut zehn Jahren im Sinkflug. Es konnte aber phantastisch zehren von Rücklagen aus der Pionierzeit der Branche und hatte gute Chancen, wieder Marktführer zu werden. Doch so kam es nicht, denn der alte Gründer wusste immer alles besser und regierte als 100 %-Gesellschafter unumschränkt, obschon er nicht mehr Geschäftsführer war, direkt vorbei an seinem Alleingeschäftsführer Eifler. Doch Eifler, dem tatkräftigen Mann, schienen die Hände gebunden, ein persönlicher Befreiungsschlag ruinös, da Eifler auf das Einkommen angewiesen war. Ein „Befreiungsschlag“ war ja vielleicht auch gar nicht notwendig, denn man raufte sich immer wieder zusammen: Der strenge Gründervater lockte mal mit Beteiligungen am Unternehmen, mal drohte er mit fristloser Kündigung. Immer wieder aber riss er die tatsächliche Geschäftsführung vorübergehend an sich. Sie konnten nicht miteinander und sie konnten nicht ohne einander.

Eifler kam seine Situation vollkommen alternativ los vor, denn

  1. in seiner engen Branche gab es überhaupt nur sechs Unternehmen, die 3-stellige Millionenumsätze erzielten. Die Hälfte hatte er schon durch.
  2. ein Wechsel schien aussichtslos, denn die Zahlen des Unternehmens rutschten weiter – langsam zwar – aber beständig bergab.

>> Wenn es doch eine Lösung gibt

Dabei hatte Eifler nachhaltige Erfolge vorzuweisen: Er hatte im Laufe der Jahre gleich dreimal Millionenbeträge durch modernste Lean Management-Methoden eingespart, neue ertragsstarke Geschäftsfelder erschlossen und profitable Kooperationen mit renommierten Weltmarken eingegangen. Am Ende stand er aber immer mit leeren Händen dastand, weil sein Eigentümerunternehmer alles durch sture und rückwärtsgewandte Anordnungen konterkarierte – und so die erwirtschafteten Erträge mehr als aufzehrte. Ein knappes Jahr vor Ablauf seines Vertrages warf der unumschränkte Gründer seinen Geschäftsführer hinaus, um den Platz für seinen 53-jähriger Sohn frei zu machen, damit dieser in das Familienunternehmen eintreten könne.

Eifler hatte zum Glück noch die Kraft, auf seine Erfolge zu schauen. Fünf Monate nachdem er seine Bewerbungsstrategie völlig neu entwickelt und umgesetzt hatte, unterzeichnete er einen neuen Geschäftsführervertrag bei einem Tochterunternehmen eines Industriekonzerns und konnte dort wieder an seine alte Einkommenshöhe anknüpfen, die er vor seiner Odyssee erreicht hatte.

Was hatte Eifler gelernt und für die Zukunft mitgenommen? Entscheidend war das Herausarbeiten greifbarer Erfolge, die trotz anderslautender Unternehmens-Zahlen erzielt worden waren. Das war zwar anstrengend und kam einer Slalomfahrt gleich, denn der eherne Grundsatz, immer nur die Wahrheit zu sagen und zu schreiben, musste auch hier eingehalten werden. Eifler hat es geschafft, seine teils „unsichtbaren“ Erfolge darzustellen.

Noch schwieriger war für Eifler das „Verlassen“ seiner verzweifelten Gemütslage, seiner Selbstvorwürfe und die Angst vor dem dritten Fehlgriff. Zu tief saßen die Verletzungen, dass er sich all das hat gefallen lassen und das Gefühl, am Ende mit leeren Händen dazustehen. Hinzu kam das Unbehagen, sich mit den Bilanzen der letzten Jahre konfrontiert zu sehen. Die vielen Erst- und Folgegespräche, die Eifler führte, enthielten noch zwei Déjà-vu-Erlebnisse mit älteren Herren mit sehr einnehmender Art. Ein drittes Mal sollte es aber nicht geben! Und gab es auch nicht.

Heute ist sich Eifler seiner Stärken und Erfolge bewusster als in all den Jahren zuvor. Dies hält ihn auch heute noch sicher auf Kurs. Viele geschasste Manager, wenn sie nicht gar in eine Art Schockstarre verfallen und nichts mehr klar erkennen können, reduzieren ihre Wahrnehmung meist eindimensional auf einen Tunnelblick und wenden hin und her, warum ihnen das passiert ist, wie ungerecht es ist, oder wie es zu vermeiden gewesen wäre. Wirklich hilfreich ist jedoch nur die konsequente Konzentration auf die erzielten Erfolge!

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