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Wenn die Abfindung zur Gefahr wird

Eine meiner ersten Fragen an Manager, die eine neue Anstellung suchen, lautet: Bis wann möchten Sie spätestens einen neuen Job gefunden haben? (Zu) oft lautet die Antwort: Möglichst in zwei bis drei Monaten … 

Der Hintergrund für diesen Wunsch ist bei konkretem Nachhaken regelmäßig nicht allein der vermutete „lückenlose Anschlussjob“, sondern die finanzielle Lücke, die sich nach Ablauf dieser Frist auftun wird.

>> Die Abfindung ist ein „warmer Regen“

Viele Führungskräfte werden mit dem sogenannten goldenen Handschlag verabschiedet. Sie erhalten eine entsprechend ihrer Firmenzugehörigkeit oder ihres Geschäftsführervertrages üppige Zahlung – die Abfindung. Alternativ bleiben sie noch ein paar Monate auf der Payroll, bekommen also weiterhin ihr Gehalt und sind zugleich ihrer Verantwortung entbunden und von der Arbeit freigestellt. Beide Varianten führen zu dem Gefühl, in einem „warmen Regen“ zu stehen. Ein Regen, der Geld und Zeit bringt, der Entspannung und Durchatmen ermöglicht – ist doch so mancher Manager erschöpft und möchte erst einmal zur Ruhe und vor allem sich selbst kommen.

Diese Gefühle und Bedürfnisse kann ich sehr gut nachvollziehen, und sie sollten ernst genommen werden. Sich „kopf- und herzlos“ vom einen in den nächsten Job zu stürzen halte ich für riskant, denn oftmals resultiert daraus die falsche Wahl. Also: zur Ruhe kommen und rausfinden, wie die berufliche Zukunft aussehen soll, ist absolut richtig und wichtig. Doch sollten Sie dabei weder den Kalender noch den Kontostand aus den Augen verlieren. Denn sonst ist die Abfindung oder Freistellung eine Gefahr! Die Gefahr, viel Zeit und Geld zu verlieren und am Ende mit leeren Händen dazustehen.

>> Zeit und Geld werden schnell knapp

Als Führungskraft sollten Sie für das Suchen und Finden einer neuen, wirklich passenden Herausforderung sechs bis neun Monate veranschlagen. Zuzüglich ein bis drei Monate, die normalerweise noch zwischen Vertragsschluss und erstem Monat in der neuen Verantwortung liegen, also bis das erste Gehalt aufs Konto kommt. Und gehen Sie lieber von neun als von sechs Monaten Suchzeit aus, um einen zeitlichen Puffer zu haben. Somit können Sie ausrechnen, wann Sie mit der konkreten Jobsuche loslegen sollten, und wie viel Zeit Sie zum reinen Entspannen haben. Und genau diese zeitliche Planung findet oft nicht statt, oder der zeitliche Aufwand wir unterschätzt, sodass am Ende das Gefühl von Panik aufkommt, weil sowohl die Zeit als auch das Geld aufgebraucht sind – und damit oft auch die Nerven. Es soll und muss dann ganz schnell gehen mit dem neuen Job. Bei einem solchen Zeitdruck kann selbst der erfahrenste Karriereberater nicht „zaubern“, sondern wird eher überlegen, ob er ein solches Mandat übernehmen sollte, wenn er seriös arbeiten will.

>> Frühzeitig mit der Suche beginnen

Ich empfehle daher, die Jobsuche frühzeitig zu starten. Denn diese sollte als ein gesamtheitlicher Prozess mit der Positionsbestimmung, der Perspektivensuche und der Aktualisierung, besser Neuentwicklung Ihres CV beginnen und nahtlos in die Vermarktung, die Gespräche und schließlich die Jobauswahl über gehen. Wenn Sie die ersten Schritte gemeinsam mit einem Sparringspartner machen, können Sie eventuell vorhandene „Wunden lecken“ und zugleich – was viel wichtiger ist – nach vorn schauen und aktiv Ihre Zukunft gestalten. Also nicht einfach abwarten und punktuell, also mehr zufällig auf einzelne Stellenangebote reagieren oder schon mal den ein oder anderen aus dem Kontaktnetz ansprechen, sondern aktiv an den Markt gehen.

Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile. Meistens finden Sie mit ausreichend verfügbarer Suchzeit Führungspositionen, die mehrere, am besten alle Ihre Suchkriterien erfüllen, wie „kein Umzug mit der Familie“, „mehr Gestaltungsfreiraum“, „verbesserte Lebensqualität“ und „gesündere Rahmenbedingungen“. Und Sie können meist zwischen mehreren Angeboten wählen und gehen selbstsicherer in die Verhandlungen, weil Sie nicht auf diesen einen Job angewiesen sind. Im besten Fall haben Sie Ihr neues Engagement unterschrieben und können noch zwei bis drei Monate bis zum Jobstart für Entspannung, Urlaub oder einen lange unerfüllten Wunsch wie den „Segelschein“ oder die „Mountainbike-Tour“ nutzen. Zudem ist die rechtzeitige, strukturierte Jobsuche kein Vollzeitjob, sondern lässt immer noch Zeit für andere Bedürfnisse und Ziele, wie beispielsweise wieder mehr Sport zu machen oder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

>> Mit der richtigen Methode zum Ziel

Die genannten sechs bis neun Monate Suchzeit stimmen in aller Regel übrigens nicht, wenn Sie sich ausschließlich auf ausgeschriebene Stellen bewerben oder auf Ihr Kontaktnetz hoffen. Es wird auf diesem Weg nach unserer Erfahrung deutlich länger dauern oder sogar ganz erfolglos bleiben. Bei meinen Kennenlerngesprächen frage ich auch immer, welche Aktivitäten bislang für die Jobsuche durchgeführt wurden. Meist kommen Antworten wie diese: „Die ersten drei Monate habe ich gar nichts gemacht, weil ich den alten Job loslassen und mich erholen musste. Dann habe ich mich auf Stellenanzeigen beworben und mein Kontaktnetz informiert, dass ich einen neuen Job suche. Und ich habe eine Handvoll Personalberater angeschrieben, die ich von früher kenne. Leider hat alles keinen Erfolg gebracht. Oft habe ich nicht mal eine Antwort bekommen. Das habe ich mir viel leichter vorgestellt. Bin ich zu schlecht/zu teuer/zu alt für den Markt?“

Meine Antwort lautet: Nein! Sie haben die falsche Methode gewählt und auf etwas vertraut, das nicht funktioniert. Und damit ist leider wertvolle Zeit – und Geld – verloren gegangen. Denn für Führungskräfte ist der wirklich interessante Stellenmarkt der „verdeckte Stellenmarkt“, der circa 80 % der zu besetzenden Führungspositionen ausmacht. Um diese „versteckten Vakanzen“ zu finden, müssen Sie aktiv auf Unternehmen zugehen, sich also initiativ bewerben. Und zwar nicht mit umfangreichen Bewerbungsmappen, die eh keiner liest, sondern mit den richtigen Kurzinformationen. Meine Klienten erzielen mit diesem Ansatz durchschnittlich zehn bis zwanzig Erstgespräche bei Unternehmen und können am Ende meist zwischen mehreren Jobangeboten auswählen. Eine komfortable Situation, um aus der Abfindung oder Freistellung das Beste zu machen!

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