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Wie wichtig ist Cultural Fit für Führungskräfte? Sehr wichtig!

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>> Manager müssen auch menschlich zum Unternehmen passen, wenn sie zum Erfolg des Unternehmens beitragen wollen. Und das gilt auch umgekehrt: Die Firma muss „menschlich“ zur Führungskraft passen, wenn die Zusammenarbeit erfolgreich sein soll. Doch wie „ermitteln“ beide Seiten den Cultural Fit?

>> Unternehmen: Die Bedeutung und die Ermittlung von Cultural Fit

Cultural Fit – auf Deutsch kulturelle Übereinstimmung ‒ ist ein Begriff aus der Personalpsychologie. Er beschreibt allgemein die Übereinstimmung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Bezug auf Handlungsweisen und Wertevorstellungen. In den letzten Jahren stand der Cultural Fit nicht hoch im Kurs. Die Entscheidung, welche Führungskraft eingestellt wird, wurde vorrangig nach der fachlichen Qualifikation getroffen. Doch der Trend scheint in eine andere Richtung zu gehen: Immer mehr Unternehmen achten darauf, dass der Manager auch menschlich zum Unternehmen und dem zu führenden Team passt. Laut einer Studie von StepStone (https://www.stepstone.de/Ueber-StepStone/knowledge/recruiting-mit-persoenlichkeit/) bei der rund 4.000 Personalentscheider befragt wurden, legen 65 Prozent der Entscheider Wert auf Cultural Fit. Die Mehrheit der Personalentscheider urteilt dabei jedoch allein nach Bauchgefühl. Basis für dieses Bauchgefühl sind vor allem die Vorstellungsgespräche (36 %) und die Bewerbungsunterlagen (15 %).

Gemäß einer Studie von meta HR und Employour (https://blog.metahr.de/2016/05/30/erste-cultural-fit-studie-veroeffentlicht-ein-blick-auf-die-ergebnisse/) sind die Zustimmungswerte zum Cultural Fit-Konzept hoch und die Einsicht in die Vorteile groß, doch es hapert bei der Implementierung in die Recruitingprozesse. Bisher haben sich lediglich ein Drittel aller Personaler intensiver mit dem Konzept der kulturellen Bewerberpassung vertraut gemacht. Zudem fehlen in den meisten Unternehmen klare Vorgaben zum Cultural Fit.

>> Bewerber: Die Bedeutung und die Ermittlung von Cultural Fit

Unternehmen sind fast so unterschiedlich wie Menschen. So wenig, wie Sie die meisten Menschen heiraten würden, so wenig sinnvoll ist es, für die meisten Unternehmen arbeiten zu wollen. Es führt also kein Weg daran vorbei, herauszufinden, ob Sie zu einem Unternehmen passen oder nicht. Und zwar jenseits von Stellenanforderung und persönlichem Kompetenzprofil. Ein praktikabler und zielführender Weg dafür ist, mit einer respektablen Anzahl von Unternehmen Erstgespräche zu führen, um herauszubekommen, welcher Unternehmenstypus zu Ihnen passt: Konzern oder Mittelstand? Eigentümer geführt oder anonyme Aktiengesellschaft? Markführer oder Marktneuling? US-amerikanisches oder französisches Unternehmen? Cultural Fit beginnt also für Führungskräfte mit messbaren bzw. objektiv zu ermittelnden Kriterien. Erfolgreich können Sie nur sein, wenn Sie sich dauerhaft wohlfühlen.

Einer unserer Klienten war sein Berufsleben lang bei einem der deutschen Premium-Automobilhersteller beschäftigt. Mit Ende 40 wechselte er das erste Mal die Unternehmung und ging zu einem koreanischen Automobilhersteller. Der Kulturschock hätte kaum größer sein können. Das hatte durchaus auch seinen Reiz – aber es brachte auch besondere Härten mit sich. Das muss man wollen.

Unabhängig von unterschiedlichen Geschäftsmodellen, Eigentümerstrukturen, Nationalitäten und was sonst noch die Unternehmenskultur beeinflusst, gibt es eine Reihe schwerer identifizierbarer, meist psychologisch begründeter Unternehmenskulturunterschiede. Diese sind in Vorstellungsgesprächen viel schwerer zu ermitteln als die objektiv fassbaren Kriterien. Dennoch gilt es auch in diesem eher subjektiven Bereich so gut als möglich und so früh als möglich herauszufinden, was einen im Falle einer Zusammenarbeit erwartet. Die wichtigsten Instrumente hierfür sind: Ehrlichkeit und Authentizität.

>> Ehrlichkeit und Authentizität

Meine Klienten fragen mich manchmal: „Bringe ich mich nicht um allzu viele Chancen, wenn ich grundehrlich bin? Sind Übertreibungen, fahrlässige Unwahrheiten oder gar vorsätzliche Lügen nicht typisch für Bewerbungsverfahren? Viele Unternehmensvertreter machen es doch auch.“. Meine Antwort lautet immer: leider! Wenn Sie aber wirklich vorher herausfinden wollen, ob das Unternehmen zu Ihnen passt, sollten sie gut überlegen, ob sie der verbreiteten Bewerberempfehlung „Verkaufen Sie sich gut!“ wirklich folgen wollen. Denn streng genommen, müssten Sie dann diese Fassade und dieses Schauspiel über lange Zeit aufrechterhalten, um den vorgegaukelten Cultural Fit zu bestätigen. Bei wahren Aussagen dagegen besteht eine viel größere Transparenz und damit auch viel größere Erfolgschance, eine richtige, eben eine passende Entscheidung zu treffen.

Nun halten einige meiner Klienten dagegen: „Die Firmen täuschen, übertreiben und verheimlichen doch auch!“ Ja, leider! Denn auch die Firma muss dann mit den Konsequenzen ihrer Täuschung leben: im schlimmsten Fall mit einer Fehlbesetzung oder hoher Fluktuation. Aber wenn Sie selbst Ehrlichkeit und Authentizität praktizieren und höflich einfordern, werden die Entscheidungsbasis und damit der Cultural Fit deutlich erhöht.

Verblüffen Sie Ihren Gesprächspartner doch mal mit der Wahrheit, nach der sie niemand gefragt hat, die Sie auch gut hätten verschweigen können! Das kann sich dann etwa so anhören: „Die von Ihnen gewünschten Merkmale A, B und C erfülle ich, aber über D verfüge ich jedenfalls nicht in der Ausprägung, wie Sie sie vermutlich wünschen.“ Das hat gleich vier Vorteile:

  1. Sie gewinnen zusätzlich an Glaubwürdigkeit.
  2. Sie nehmen Ihren möglichen künftigen Arbeitgeber mit in die Verantwortung.
  3. Ihr Gesprächspartner weiß vorher, was ihn nachher erwartet.
  4. Sie nehmen Druck raus, alle Anforderungen erfüllen zu müssen.

Und by the way erhöhen Sie den Druck, dass Ihr Gegenüber ehrlich wird oder ist! Dabei sind Fragen wie diese sehr hilfreich: „Was sollte ich für meine Entscheidung noch wissen? Worüber haben wir noch nicht gesprochen, was aber möglicherweise wichtig für mich ist?“ Das bezieht sich nicht nur auf die Position, sondern auch auf das Unternehmen. Sie haben es also durchaus mit in der Hand, den Cultural Fit zu ermitteln und zu bewerten.

Wie Sie Ihren Cultural Fit ermitteln und bewerten können, beschreiben wir u. a. ausführlich in unserem Buch „Die CEO-Bewerbung“. Einen Überblick über unsere Methode des strategischen Newplacements finden Sie auf auf https://www.nebelkarriereberatung.de/methode-bewerbung-fuehrungskraft/